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Mittwoch - 3. Mai 2017

Hauptversammlung 2017

Aus den Ausführungen von Patrick Thomas

Vorstandsvorsitzender der Covestro AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Guten Tag und herzlich willkommen zur zweiten Hauptversammlung von Covestro. Wir freuen uns, dass Sie gekommen sind.

Bitte erlauben Sie mir, dass ich in meiner Muttersprache Englisch zu Ihnen sprechen werde. Über die Kopfhörer können Sie einer Übersetzung folgen.



Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

um es direkt vorab zu sagen: 2016 war ein herausragendes Jahr für Covestro.

Wir können aus verschiedenen Gründen auf ein Rekordjahr zurückblicken:

Wir haben alle unsere finanziellen Ziele erreicht oder übertroffen.

Unser bereinigtes EBITDA verbesserte sich 2016 um 22,7 Prozent. Damit haben wir zum ersten Mal die Zwei-Milliarden-Euro-Marke übertroffen.

Mit 795 Millionen Euro erzielten wir ein mehr als doppelt so hohes Konzernergebnis wie 2015.

Der Free Operating Cash Flow kletterte um 41,8 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro. Damit haben wir unser ursprüngliches Ziel erreicht, uns gegenüber 2015 zu verbessern.

Diese hervorragende Entwicklung wird durch die unvermindert hohe Nachfrage nach unseren Produkten unterlegt. Sie ermöglichte uns eine weitere Verbesserung unserer Anlagenauslastung. Größere Mengen und ein Preisvorteil waren die Haupttreiber für unser starkes Ergebnisplus.

Auch im Jahr 2016 ist es uns wieder gelungen, die Grenzen des Möglichen zu verschieben. Wir haben verschiedene Innovationen auf den Markt gebracht. Oft ist es uns dabei gelungen, bestehende Prozesse und Verfahren zu revolutionieren.



Meine Damen und Herren,

unsere Finanzkennzahlen sind der Beweis, dass sich unsere Strategie auszahlt.

Ein Blick auf unser starkes Mengenwachstum im Kerngeschäft zeigt, dass unsere Produkte die Nachfrage treffen, die aus den globalen Trends hervorgeht.

Der Klimawandel, neue Mobilitätskonzepte und ein wachsender Zuzug der Menschen in immer größere Städte schaffen immer spezifischere Bedürfnisse.

Unsere Produkte tragen dazu bei, diese Bedürfnisse zu bedienen. Sie schonen die Umwelt, indem sie alte Materialien ersetzen, die entweder nicht nachhaltig produziert werden können oder während ihres Lebenszyklus nicht nachhaltig sind.

Unsere Kunststoffe sind wichtiger Bestandteil für den voranschreitenden Leichtbau in der Automobilindustrie und sorgen für eine größere Effizienz bei der Mobilität und im Transportwesen.

Sie tragen zu einer verbesserten Kühlkette durch höhere Isolierung bei und verbessern so die Haltbarkeit von Lebensmitteln.


In der Bauwirtschaft treffen unsere innovativen Materialien für Bedachungen und Verglasungen auf hohe Nachfrage, denn sie tragen dazu bei, Gebäudekosten zu senken und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Dies sind nur einige der vielen Beispiele, die zeigen, warum Covestro so erfolgreich ist und stärker wachsen kann als die globalen Märkte.



Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

Bei allem, was Covestro leistet, folgen wir unserer Unternehmensvision: „Die Welt lebenswerter machen“.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was bedeutet das? Wie kann ein Unternehmen wie Covestro dazu beitragen?

Wir wollen innovative Werkstoffe entwickeln und damit andere, weniger leistungsstarke, weniger nachhaltige oder einfach nur teurere Materialien ersetzen. An ihrer Stelle wollen wir nachhaltigere, leistungsstärkere und kostengünstigere Materialien verwenden.

Unser Ziel ist es, Schlüsselindustrien mit innovativen Polymer-Werkstoffen, Technologien und Anwendungslösungen auszustatten, die die Umwelt schonen, der Gesellschaft zugutekommen und Wert schaffen.

Ich möchte Ihnen nun die Ausrichtung unserer Strategie mit Fokus auf Innovation und Nachhaltigkeit anhand einiger Beispiele verdeutlichen: Betrachten wir zunächst, wie wir Kohlendioxid als Rohstoff einsetzen können.



Es handelt sich dabei um eine Innovation, die wir zur Marktreife gebracht haben. An unserem Standort in Dormagen betreiben wir seit Juni 2016 eine revolutionäre neue Produktionsanlage. Die Technologie, die dahinter steht, heißt Cardyon® und bedeutet „mehr als Kohlendioxid“.

Wir arbeiten daran, CO2 für weitere Materialien zu erschließen, die einsetzbaren Mengen zu erhöhen und diese Technologie als zukunftsfähige und wegweisende Alternative zu fördern.

Wir unternehmen all diese Anstrengungen, weil wir wissen, dass fossile Ressourcen immer knapper werden und deren Nutzung die Umwelt belastet.

Im vergangenen Jahr hat Covestro entscheidende Schritte gemacht, um Öl als Grundstoff in der Schaumproduktion für Matratzen zu ersetzen. An unserem Standort Dormagen haben wir mit der Produktion einer innovativen Schaumstoffkomponente mit bis zu 20 Prozent CO2-Anteil begonnen. In anderen Worten: Wir ersetzen rund 20 Prozent Erdöl durch CO2.

Die Vorteile liegen auf der Hand: CO2 steht fast unbegrenzt zur Verfügung. Es kann sogar aus Abgasen gewonnen werden oder als Nebenprodukt anderer chemischer Vorgänge. So erreichen wir eine bessere Kohlenstoffbilanz für den gesamten Produktionsprozess.



Ein weiteres Thema, auf das ich heute näher eingehen möchte, ist der Energiesektor.

Wenn Sie an einem sonnigen Tag an der Nordseeküste spazieren gehen, können Sie in der Ferne einen der vielen Windparks sehen.

Und in diesen Windrädern können häufig Covestro-Werkstoffe enthalten sein.

Die mächtigen, bis zu 85 Meter langen Rotorblätter werden in äußerstem Maße beansprucht. Innenbauteile aus Polyurethanharzen verleihen ihnen eine höhere Stabilität und Haltbarkeit, was wiederum die Lebensdauer eines Windrads erhöht. Gleichzeitig ist die Fertigung von Windrädern mit diesen Harzen schneller und kostengünstiger. Das erste große Rotorblatt, in dem Covestro-Werkstoffe verarbeitet wurden, wurde bereits hergestellt.

Die Masten erhalten eine Korrosionsschutzgrundierung, ebenfalls auf Polyurethanbasis. Außerdem härten neue Anstriche schneller aus, was die Produktionsdauer für Windräder verkürzt.

Letztendlich muss noch der Strom auf das Festland transportiert werden. Das geschieht durch Seekabel, die besonders gegen Beschädigungen geschützt werden müssen, die mit erheblichen Kosten verbunden wären.

Unsere Elastomere eignen sich hervorragend für einen robusten Kabelschutz. Im Gegensatz zu Beton oder Stahl brauchen die Bauteile nicht nachgearbeitet werden – ein klarer Zeit- und Kostenvorteil.

Basierend auf den enormen technischen Fortschritten auf diesem Gebiet zeigt die Entwicklung der weltweiten Windkraftleistung steil nach oben. Mit annähernd 500.000 Gigawatt wird heute 70-mal mehr Strom aus Windkraft erzeugt als noch vor 20 Jahren.
Covestro hilft dabei, diese Entwicklung voranzubringen. Wir verstehen die Nutzung und den Ausbau nachhaltiger Energiequellen als Teil unserer Aufgaben, um die Welt tatsächlich lebenswerter zu machen.



Ich möchte auch einen Blick auf die Automobilbranche werfen.

Sie sind zum Teil bestimmt mit einem Auto angereist, das – da bin ich mir ganz sicher – nicht aussieht wie der Prototyp, den wir auf der Kunststoffmesse K 2016 im Oktober vorgestellt haben.

Sie können draußen in unserer kleinen Ausstellung vor der Halle eine Miniaturversion dieses Prototyps betrachten.

Covestro hat den Prototyp, der ein Beispiel für innovatives Design und Funktionalität ist, in Zusammenarbeit mit dem Automobilzulieferer HELLA gefertigt.

Viele Charakteristika dieses Prototypen dürften in den nächsten zehn Jahren Normalität im Straßenverkehr werden: So haben die Insassen durch die Rundumverscheibung aus Polycarbonat in der Fahrgastzelle einen Panoramablick ohne toten Winkel. Gleichzeitig wird das Gewicht des Fahrzeugs verringert.

Die Fahrzeugoberfläche ist fugenlos und homogen. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik. Je weniger Luftwiderstand ein Fahrzeug bietet, desto geringer der Energieverbrauch und desto größer die Reichweite.

Mit der Heckbeleuchtung ist uns eine innovative Lösung auf Basis von holografischen Folien gelungen. Damit lassen sich verschiedene Beleuchtungsfunktionen in Karosserieteile integrieren, die ganz neue Möglichkeiten für die Verwendung von Licht als Designelement eröffnen.
Was bedeutet dies für einen Werkstoffproduzenten wie Covestro? In einem durchschnittlichen Fahrzeug von heute sind vier bis fünf Kilogramm Werkstoffe von Covestro verbaut.

In einem Elektroauto wird der Anteil an Werkstoffen von Covestro bei 20 bis 25 Kilo liegen! Dieser Trend wird durch die steigende Bedeutung von Elektrofahrzeugen verstärkt.

Bis zum Jahr 2020 wird die Automobilindustrie voraussichtlich dreimal so viele Elektrofahrzeuge pro Jahr produzieren wie 2016.

Beim Übergang vom konventionellen Antrieb zur Elektromobilität wird den Produkten von Covestro eine wesentliche Rolle zukommen.

Diesen Übergang werden wir mit vorantreiben, ihn gestalten und davon profitieren.



Wie beschrieben ist die Automobilindustrie für Covestro von großer Bedeutung.

Es ist eine Industrie, die durch Innovationen getrieben wird, die oft erst durch Kooperationen und Zusammenarbeit möglich werden. Vor wenigen Wochen wurde eine solche Innovation von einem Projektteam vorgestellt, das sich aus Mitarbeitern von Audi, dem BASF-Geschäftsbereich Coatings sowie Covestro zusammensetzt – und es ist ein echter Meilenstein.

Das Team hat einen neuen Klarlack mit biobasiertem Härter entwickelt.

Der Klarlack bildet die oberste Schicht des Lackaufbaus und sorgt für Kratzfestigkeit, Glanz sowie für den Schutz etwa vor Sonnenlicht und anderen Witterungseinflüssen.

BASF hat den Klarlack entwickelt und dabei unseren biobasierten Härter Desmodur genutzt.

70 Prozent des Kohlenstoffgehalts des Härters stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und Testkarossen des Audi Q2 wurden bereits erfolgreich unter seriennahen Bedingungen im Werk Ingolstadt damit beschichtet.

Diese Innovation im Härter-Bereich spart gleich mehrfach Ressourcen ein:

Die Biomasse stammt aus Futtermais, der während des Wachstums Kohlenstoff bindet.

Als erneuerbares Material ersetzt er fossile Rohstoffe und schützt so die Umwelt.

Zuletzt entfallen bei der biobasierten Rohstoffproduktion für diesen Härter einzelne Prozessschritte, so dass der CO2- Ausstoß weiter gesenkt wird.



Abschließend möchte ich Sie einladen, gemeinsam mit mir einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Vielleicht sagt Ihnen der Begriff „Anilin“ zunächst nicht viel. Anilin ist aber ein ganz zentraler Grundstoff in der Chemieindustrie – zum Beispiel wird er bei der Wärmedämmung von Gebäuden benötigt oder bei Kühlgeräten.

Heute werden pro Jahr rund 4,5 Millionen Tonnen Anilin aus Rohöl gewonnen und dieser Wert steigt jährlich um etwa fünf Prozent. Mit der Produktion von rund einer Million Tonnen pro Jahr ist Covestro dabei einer der größten Produzenten der Welt.

Wie ich bereits erwähnt habe, verlangt Rohöl als Rohstoff unserer Umwelt einiges ab. Deswegen ist es nur logisch, dass wir – wie schon beim Ersetzen von Rohöl durch Kohlenstoff – versuchen, dies auch beim Anilin zu erreichen.

Mit Erfolg!

Covestro hat ein Verfahren entwickelt, mit dem wir Anilin aus Zucker gewinnen können, der wiederum aus Biomasse stammt. Statt Rohöl nutzen wir Bakterien, um den Zucker in ein Zwischenprodukt zu verwandeln, aus dem wir dann durch chemische Katalyse Anilin gewinnen. Der Zucker kann dabei aus Mais, Weizen oder Zuckerrüben gewonnen werden.

Im Labor sind wir bereits erfolgreich, jetzt lautet das Ziel industrielle Produktion. Bis 2025 wollen wir Bio-Anilin für den Eigenbedarf in industriellem Maßstab herstellen.



Meine Damen und Herren,

damit schließe ich meinen Überblick über unsere Errungenschaften 2016.

Ich erteile nun unserem CFO Frank Lutz das Wort, der Ihnen unsere Zahlen für 2016 erläutern wird.


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der Covestro AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, welche die Covestro AG in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Covestro-Website www.covestro.com zur Verfügung. Covestro übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.